Antikenprojekt nach Euripides

Noch heute beschäftigen uns Fragen, die seit den Anfängen des europäischen Theaters vor 2500 Jahren von den antiken Tragödiendichtern nachdrücklich gestellt wurden: Wie kann der einzelne Mensch sich in einer Welt der Gewalt und des Krieges behaupten? Gibt es überhaupt Hoffnung auf einen Zustand des Friedens? Die Verantwortung liegt längst nicht mehr bei den Göttern, die Fragen richten sich an den Menschen selbst. Insbesondere rückte Euripides die weibliche Perspektive ins Zentrum seiner Texte und schuf eine der großartigsten und faszinierendsten Frauenfiguren, die uns bis heute unmittelbar berührt: Hekabe, die greise trojanische Königin, die sich zur geifernden Hündin wandelt, nachdem auch das letzte ihrer Kinder sinnlos sterben musste. Alexander May adaptiert die Tragödie als theatrale Befragung der Gegenwart anhand antiker Episoden aus Troerinnen und Hekabe des Euripides sowie Auszügen aus Land ohne Worte von Dea Loher in den Foyers, im Zuschauerraum und auf der Bühne des Großen Hauses.
Uraufführung Theater am Domhof
Textfassung von Alexander May, Maria Schneider
Inszenierung Alexander May
Bühne/Kostüme Martin Fischer
Video Thomas Limpinsel
Musik Sidney Corbett
Dramaturgie Maria Schneider, Ralf Waldschmidt
Sidney Corbett

„Der Violine Widerhall bin ich, nicht der Spieler”: Sidney Corbett, Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, komponiert für Spieltriebe 4 ein Auftragswerk, das ein Gedicht des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish (1941-2008) vertont. Zehn Violinen und eine Sopranstimme übersetzen Darwishs Poesie in Klang und beschließen die Spieltriebe im Theater am Domhof.
Uraufführung Theater am Domhof
Musikalische Leitung Daniel Inbal
Theresia Walser

Der Countdown läuft. In 77 Minuten wird Frau Schirakesch auf dem Marktplatz von Tschundakar gesteinigt werden. An einem Ort, dessen Nähe zur Gefahrenzone ungewiss bleibt, versammeln sich sechs Menschen. Sie alle sind mit „etwas Großem“ in Berührung gekommen: dem Krieg. Angeleitet wird die Gesprächsrunde, die aus einem General, einer Soldatin und ihrem Vater sowie zwei westlichen Schönheitsköniginnen besteht, von Hilda, der Fragenstellerin. Man übt sich in dem, was später öffentlich gesagt werden muss, und blickt mit gemischten efühlen der Auskunftsveranstaltung entgegen. In der Mitte ihrer Köpfe setzt sich Frau Schirakesch fest, die Frau unter der Burka. Sie wird zum Symbol für den Feldzug, den die Demokratie im Namen der Menschenrechte führt. Das überhitzte Positionsgefecht von Theresia Walsers Figuren erzählt von der Schwierigkeit, überhaupt einen produktiven gesellschaftlichen Diskurs über das zu führen, was seit kurzem auch in der Politik wieder als „Krieg“ benannt werden darf.
Uraufführung emma-theater
Koproduktion mit dem Theater Freiburg
Inszenierung Annette Pullen
Bühne/Kostüme Iris Kraft
Dramaturgie Ruth Feindel
Nanine Linning

Im Kontext des Spieltriebe 4-Themas, zehn Jahre nach den Anschlägen auf das WTC in New York, stellt Nanine Linning sich die Frage, wie menschenunwürdige Szenerien sich in die Körperlichkeit der Betroffenen einschreiben. Im Felix-Nussbaum-Haus wird Linning mit ihren zehn Tänzern und der Studentin Delia-Caroline Jürgens einige kurze Tanzszenen an verschiedenen Orten im Museum kreieren: Nicht zuletzt greifen die nahegehenden Bilder Nussbaums, die wunderschöne, außergewöhnliche Architektur von Daniel Libeskind und der Tanz ineinander. Der 2010 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnete Architekt Daniel Libeskind projektierte das One World Trade Center, das auf dem Ground Zero-Areal in New York gebaut wird.
Felix-Nussbaum-Haus
Konzept/Choreografie Nanine Linning
Bühne/Kostüme Delia-Caroline Jürgens
Dramaturgie Caecilia Thunnissen
Amigos Bandidos

„Und warum immer ich?“ WARUM eigentlich ist nach dem gefeierten Ende des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung keine neue Ära des Friedens angebrochen? Warum sind im 21. Jahrhundert neun von zehn Kriegsopfern Zivilisten? Warum werden aus Kindern Kriegsmaschinen?
So schwer sie in der Vielstimmigkeit der politischen Propaganda häufig auszumachen sind, so schwer sind sie in der Regel auch zu ertragen: Gründe. Und doch machen sich die Amigos Bandidos auf die theatralische Suche nach ihnen.
Amigos Bandidos ist eine multikulturelle Theatergruppe für Jugendliche unterschiedlichster Herkunft. Die Gruppe besteht seit fünf Jahren, mit teilweise wechselnder Besetzung. Ihre Arbeiten sind zumeist stark von den Biografien und Erfahrungen der Jugendlichen geprägt.
Eigenproduktion Schwurgerichtssaal/Landgericht Osnabrück
Inszenierung Choreografie Johanna Bethge
Bühne/Kostüme Delia-Caroline Jürgens
Letizia Russo

Ein jahrelanger Krieg schleppt sich seinem Ende entgegen. Irgendwo leben noch Menschen, eine kleine Gemeinschaft, in deren Lebenswirklichkeit sich der Krieg unauslöschlich eingeschrieben hat. Die alte Glauke hat sich aus Verzweiflung über die Schändung und Ermordung ihrer Tochter geblendet und wartet auf den Tod, der nicht kommen will. Ihr Sohn Johnny liebt Mánia, die von ihm ein Kind erwartet, sich jedoch nicht zu Johnny bekennen kann: Noch hält sie an der Hoffnung fest, ihr Mann Luther könnte von der Front zurückkehren. Die Nachricht seines Todes trifft ein – und doch wird Luther wiederkommen. Eine Erlösung aus dieser Welt zwischen doppelbödigen Erinnerungen, zaghaften Hoffnungen und archaischen Traumlandschaften scheint nicht in Sicht …
Die Autorin und Übersetzerin Letizia Russo, Jahrgang 1980, lebt und arbeitet in Rom. In ihrem parabelhaften Stück Tomba di cani (Hundegrab) von 2001, das in Italien zwei renommierte Theaterpreise gewann, entwirft sie Figuren, die verlernt haben, ohne Krieg zu leben.
Deutschsprachige Erstaufführung Naafi-Supermarkt / Kaserne am Limberg
Deutsch von Sabine Heymann
Inszenierung Felix Meyer-Christian
Bühne Simon Futterlieb
Kostüme Clarissa Freiberg, Miriam Zabek
Dramaturgie Maria Schneider
PEDRO MARTINS BEJA

Da ist eine Straße, und über uns zieht sich alles wie zum letzten Sturm zusammen und ich könnte schwören, wir haben das alles herbei gerufen, die Wolken, das Gedonner, diesen Windzug der alles in die Schräge wirft. Da wußten wir, wir hatten dich als unsere ständige Begleiterin gewählt.
Wir sind alle einzeln.
Jaja.
Ich wachse ja nicht mit ihnen zusammen.
Nee nee, Gott sei Dank.
Ja eben, wir sind nunmal alle einzeln. Wir sind nicht zusammen gewachsen.
Jajaja, das ist für mich geklärt.
Ja scheinbar nicht.
BLEIB IM RAHMEN LASS DAMPF AB GIB AUF
Ein Holzsymposium mit Richtfest von und mit Ana Berkenhoff, Christian Bayer und Pedro Martins Beja
Musik/Sound: Katharina Kellermann, Dominic Korb, Thomas Haas
Bühne: Sylvia Rieger
Kostüme: Thomas Haas
Video und Assistenz: Jan Rosemann
Kompositionen 2

Das Projekt Kompositionen Zwei findet in der Mannschaftskantine der Kaserne am Limberg statt. Wie ein weiser Mönch sein Leben riskiert, um einen jähzornigen Samurai von seiner Weltanschauung zu überzeugen, erzählt die Geschichte Der Mönch und der Samurai, von der sich Komponist Kian Geiselbrechtinger inspirieren ließ. Für sein Projekt mit dem Titel Stentor, das ins Absurde gesteigerte Kriegsbegeisterung schildert, komponierte Harold Bedoya nicht nur die Musik, sondern verfasste gemeinsam mit Sara Bedoya auch das Libretto. Ausschnitte aus Ilse Aichingers aufwühlendem Roman Die größere Hoffnung, der von traumatischen Erlebnissen jüdischer Kinder während der NS-Zeit erzählt, legt Jürgen Sting seiner Komposition Flügeltraum zugrunde.
Uraufführung Mannschaftsmensa/ Kaserne am Limberg
Musikalische Leitung Markus Lafleur
Inszenierung Guillermo Amaya
Bühne/Kostüme Marlene Pleyl
Dramaturgie Kathrin Liebhäuser
FRANK ABT/ DIRK SCHNEIDER

Zehn Jahre elfter September – ein Anlass, Fragen zu stellen. Wie haben Menschen hier vor Ort diesen Tag erlebt? Was waren ihre Empfindungen? Wie haben sie ganz privat reagiert – oder vielleicht gerade beruflich? Wie erinnern sie sich an diesen Tag und an das, was folgte? Was hat sich nach dem Anschlag auf das World Trade Center verändert? Gibt es Auswirkungen auf unseren Alltag? Wie spiegelt sich das große weltpolitische Ereignis im Kleinen wider? Begegnen sich muslimische und nicht-muslimische Menschen seitdem anders? Wie ist unser Verhältnis zum Krieg in Afghanistan? Haben wir ein größeres Sicherheitsbedürfnis oder sehnen wir uns im Gegenteil nach dem Risiko? Hat unsere Angst zugenommen? Und wenn ja, was tun wir dagegen? Der Regisseur Frank Abt und der Journalist Dirk Schneider befragen Menschen aus Osnabrück zu ihren Erinnerungen an den 11. September 2001 und setzen diese Porträts gemeinsam mit Mitgliedern des Schauspielensembles in Szene.
Uraufführung Mannschaftskasino/Kaserne am Limberg
Inszenierung Frank Abt
Bühne Annelies Vanlaere
Kostüme Sophie Klenk
Dramaturgie Cornelia Steinwachs
Blogosphere Iraq

Millionen Menschen betreten täglich eine Bühne, um sich geschützt durch die Maske des Pseudonyms zu inszenieren und einem Publikum zu präsentieren: Sie nutzen das Internet. In Blogs erschreiben sie sich ihre Welten und werden zum Albtraum politischer und militärischer Informationsstrategen. Aufmerksamkeit ist die entscheidende Währung im Netz. So kam es während des Irakkriegs parallel zu den „realen“ Kampfhandlungen auch zu einem Kampf um die Aufmerksamkeit der digitalen Öffentlichkeit. Die Blogs spiegeln dabei extrem gegensätzliche Perspektiven wider: Der Blog eines im Irak stationierten amerikanischen Soldaten beschreibt eine andere subjektive Wahrheit als das Internettagebuch eines irakischen Einheimischen. Im Netz gibt es nicht die eine Wahrheit – nur eine kaleidoskopische Vielzahl an Stimmen, die den Internetnutzer immer wieder vor die Frage stellt, welchen Erzählsträngen er folgen will. Regisseurin Liz Rech unternimmt eine Reise in den virtuellen Blogger-Dschungel, um schließlich die digitale auf die theatrale Inszenierung treffen zu lassen.
Uraufführung Schießkino/ Kaserne am Limberg
Inszenierung Liz Rech
Bühne Kaja Bierbrauer
Kostüme Sophie Klenk, Linda Schnabel
Dramaturgie Hilko Eilts
Kompositionen 1

In Kooperation mit der Kompositionsklasse von Sidney Corbett (Musikhochschule Mannheim) kommen während Spieltriebe 4 sechs musiktheatralische Projekte zur Uraufführung. Sechs Studenten präsentieren ganz unterschiedliche musikalisch-literarische Sichtweisen auf das Thema „Krieg und Frieden”. Im Projekt Kompositionen Eins verschränkt Benjamin Helmer in seiner Komposition einen Kriegsbrief aus dem 1. Weltkrieg mit Protokollen aus dem Irakkrieg, in denen US-Soldaten auf nüchterne, absurd wirkende Weise die Tötung von über 100.000 Menschen dokumentierten. „Was hat der Krieg mit dir gemacht?” – diese Frage stellte das ASHTAR Theatre nach dem Angriff Israels 2008/09 an Jugendliche, die im Gazastreifen leben. Die so entstandenen Gaza-Monologe dokumentieren das tägliche Leben, die Hoffnungen und Ängste junger Palästinenser – während des Krieges und danach. Als Theatertexte weltweit gespielt, bilden sie die Grundlage zu Panos Iliopoulos‘ Komposition. Sebastian Bothe kontrastiert in seinem Musiktheaterprojekt Augenzeugenberichte über das Grauen des Dreißigjährigen Kriegs u. a. mit Gedichten des expressionistischen Lyrikers Paul Zech und bringt diese in Verbindung mit Ausschnitten aus der Dies irae-Sequenz.
Uraufführung Magazin/Museum, Industriekultur Osnabrück
Musikalische Leitung Benjamin Schneider
Inszenierung Julia Hübner
Bühne Margrit Flagner
Kostüme Josefine Adrion
Dramaturgie Kathrin Liebhäuser
Peca Stefan

Rumänien? Das ist doch dieses arme, von Ceauşescus Herrschaft ausgeblutete Land – mit Zigeunern, Prostitution im Westen, Korruption und Zensur – dunkel und hoffnungslos, trotz EU-Beitritts. Auch Lily, amerikanische Theaterproduzentin, hat diese Vorstellung. Und der junge rumänische Autor Emil soll dieser bitte entsprechen mit seinem No- Budget-Stück. Aber der möchte lieber eine poetische Liebesgeschichte erzählen. Die sich dann auch tatsächlich vor unseren Augen entfaltet, wenn auch auf etwas andere Art und Weise: Surreal, melancholisch, immer über dem Abgrund schwebend, tauchen verschiedene Figuren aus dem Nichts auf und kleine Dramen über Liebe, Tod und Verlust entspinnen sich. In der Vergangenheit gefangen, die Zukunft ersehnend, versuchen diese Figuren immer wieder, das Hier und Jetzt zu überlisten. Die Uraufführung inszeniert die Ko-Leiterin von Spieltriebe 4, die bisher vor allem am Schauspiel Essen sowie in der freien Szene arbeitete.
Uraufführung Piesberger Gesellschaftshaus
Inszenierung Katja Lillih Leinenweber
Bühne Margrit Flagner
Kostüme Merle Preiß
Dramaturgie Cornelia Steinwachs
Henning Mankell

Nelio ist zehn Jahre alt, als er nachts auf der Bühne eines kleinen Bezirkstheaters mitten in einer afrikanischen Großstadt von der Kugel eines Wachmanns erwischt wird. Der schwer verletzte Junge wird von José Antonio Maria Vaz gefunden und zunächst in Sicherheit gebracht – doch Nelio hat nicht mehr viel Zeit und beginnt, sein Leben zu erzählen: von seinem Aufstieg zum Anführer einer Gruppe von Straßenkindern, die sich gemeinsam unter härtesten Bedingungen durchschlägt und jeden Tag zahlreiche Abenteuer bestehen muss. Beim Versuch, dem todkranken Alfredo Bomba seinen letzten Wunsch zu erfüllen, schleicht die Gruppe sich auf die Amateurtheaterbühne – und Nelios Geschichte neigt sich ihrem Ende zu. José Antonio Maria Vaz, der Chronist der Winde, macht es sich zur Lebensaufgabe, von Nelio zu erzählen. Der Erfolgsroman von Henning Mankell, dem 2009 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück verliehen wurde, wird am Theater Osnabrück von Regisseur Alexander Frank für die Bühne adaptiert.
Premiere Gertrudenkirche, für alle ab 10 Jahren
Inszenierung Alexander Frank
Bühne/Kostüme David Gonter
Dramaturgie Maria Schneider
DOMINIK STOSIK

„Ich singe aus Angst vor dem Dunkeln mein Lied und hoffe, dass nichts geschieht“ (Nicole)
Den Krieg immer noch im Kopf findet sich eine Gruppe Soldaten in der „Anstalt für entmilitarisierende Maßnahmen“ wieder. Schwester Friederike betreut sie auf ihrem Weg zurück in einen verschütteten Alltag. Musik ist Friederikes Mittel, in ihrer Anstalt wird in erster Linie gesungen. So kämpfen die Kriegsheimkehrer mit Liedern um ihre Entlassung in Frieden und Freiheit.
Dominik Stosik hat einen antimilitaristischen Liederabend konzipiert, der sich mit bekannten und weniger bekannten Songs und ernstem Witz einem empfindlichen Thema widmet. Peter Dorsch, der bereits verschiedene Liederabende auf die Bühne gebracht hat, inszeniert zum ersten Mal am Theater Osnabrück.
Musikalische Leitung/Konzept Dominik Stosik
Inszenierung Peter Dorsch, Annette Pullen
Bühne/Kostüme Anja Wendler
Dramaturgie Anja Sackarendt, Alexander Wunderlich
Regieassistenz Miriam Schliehe
Mit: Lieko Schulze, Monika Vivell, Tilman Meyn, Alexandre Pierre, Axel Brauch, Thomas Schneider und Wladimir Krasmann am Flügel
Premiere am 2. September 2011 im Treffpunkt, ehemals Kantine der Psychiatrie am Gertrudenberg
Vorstellungsdauer
ungefähr 1 Stunde

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Theater Osnabrück

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